Wozu Dozenten?
• ALLTAGsein •
Herr H. ist spät dran. Aber vor zwei Stunden war er schon einmal hier, grinst er. Herr H. hatte sich in der Zeit geirrt. Das Plenum wartet, die Referenten blicken erwartungsvoll in seine Richtung. Wann fängt er endlich an? Herr H. macht es sich gemütlich. Sein Buch legt er ins Waschbecken, den Ordner auf den Mülleimer und seine Schlüssel irgendwo zwischen die Sachen des Studenten neben ihm. Er greift zur Flasche, nimmt immer wieder ein paar Schlucke Wasser. Den Seminarplan hat er auch einen Monat nach Semesterbeginn noch nicht fertig. An einem anderen Tag schließt er die Sitzung 45 Minuten eher, die anderen Seminare hinken mit dem Stoff hinterher, das muss ausgeglichen werden…
Bis hierhin ist Herr H. eine schlecht organisierte Ausnahme unter den Dozenten.
Warum? Vielleicht, weil er nur zwei Tutoren (studentische Hilfskräfte) für vier inhaltsgleiche Seminare hat. Im Normalfall verläuft eine 90-minütigen Sitzung am Institut formal identisch ab. Am Anfang klärt ein Tutor, der seit der Einführung der Studiengebühren jedem Seminar zusteht, das Organisatorische ab. Daraufhin halten ein bis sieben Studenten ein Referat (meist über eine Stunde). Anschließend wird diskutiert. Wobei nur wenige Studenten mitreden, weil viele müde oder schlecht vorbereitet sind. Meist ist es der Tutor, der neue Fragen einbringt bzw. zum Thema zurückführt, wenn jemand abschweift. Er koordiniert auch die Referate sowie die schriftlichen Arbeiten.
Es stellt sich die Frage: Was macht eigentlich der Dozent?
Ihr wisst schon. Das ist der Mensch mit Diplom, teilweise hat er auch noch einen Titel wie Doktor oder Professor. In meinen Seminaren macht ein Dozent das: hinsetzen, teilweise zuhören, gelegentlich kritisieren, aber meistens alles ganz toll finden. Im Prinzip arbeitet er das Seminar einmal strukturell aus und lässt es dann jedes Jahr neu von den Studenten inhaltlich füllen. Herr H. hat seinen halb fertigen Themenplan jedenfalls noch einmal umstellt, weil er nicht alle Referate vergeben konnte. Warum sollte er auch selbst die Stunde gestalten?
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Tags: Alltag, Bildung, Universität


Name: Michaela Zimmermann


oh mein gott. ist das ein marburg-phänomen oder passiert das an anderen unis auch?
sieben referate?
Sieben REFERENTEN. Besonders im Modul ‘Friedens- und Konfliktforschung’ ist das Standard.
ach, das ist gar nichts. ich war schon zu zwölft! bei mir macht der dozent noch das, was bei euch die tutoren machen. aber wir haben ja auch keine studiengebühren…
Hmm, wir sind maximal zu zweit beim Referat, häufig auch allein. Könnte man eure Studiengebühren denn nicht für kleinere Seminare verwenden?
Da gibt es auch Beschränkungen, aber es sind trotzdem zu viele, wenn alle nun mal nach der Studienordnung ein Referat halten müssen.